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Rebsorten Schweiz

in Weintraubensorten 20.11.2009 13:18
von remymartin • 292 Beiträge | 244 Punkte

Die Rebsorten der Schweiz

Auf nur 15'000 Hektaren produzieren die Schweizer Winzer eine bemerkenswerte Vielfalt. Neben den Klassikern Chasselas, Blauburgunder oder Gamay warten einige Duzend unterschiedlicher Rebsorten darauf, entdeckt zu werden. Eigenständige und typische Spezialitäten, die das Vinatura Label verdienen. Gewürztraminer, Aligoté oder Merlot sind nur einige der unzähligen Sorten, welche von innovativen und leidenschaftlichen Winzern gepflegt werden – für Sie! Nicht zu vergessen die spannenden Assemblagen aus verschiedenen Sorten, von erfinderischen und kompetenten Weinmachern kreiert.

Weisse Rebsorten / Rote Rebsorten


Aligoté

Die Aligoté stammt vermutlich aus dem Burgund, wo sie kultiviert wird. Gegen 1940 wurde sie in Genf eingeführt. Heute zählt man 20 ha Aligoté im Kanton Genf, in den anderen Kantonen wird die Sorte nur in winzigen Mengen angebaut. Die Aligoté erreicht ihre Reife zur gleichen Zeit wie der Chasselas. Ihre Trauben sind mittelgross, sehr kompakt und höchst anfällig auf Graufäule. Die aus Aligoté gekelterten Weine sind in der Regel recht lebhaft und von dezenter Aromatik.


Amigne

Die Amigne ist eine alte autochthone (einheimische) Traubensorte aus dem Wallis. Ihr Name und ihr Ursprung gehen vermutlich auf die römische Besatzungszeit zurück. Sie wird nur auf einer eng begrenzten Fläche von 35 ha, fast ausschliesslich am Hang von Vétroz, kultiviert. Die Amigne ist eine spät reifende Sorte, die zum Verrieseln neigt (Kleinbleiben der Beeren wegen mangelnder Befruchtung). Oft sind ihre Traubenbeeren deshalb recht locker. Die kleinen Beeren sind reich an Zucker und aromatisch eher neutral. Die aus Amigne gekelterten Weine zeichnen sich durch sehr feine (Mandarinen-) Aromen und manchmal durch eine leichte Tanninnote aus. Es lohnt sich, sie für einige Jahre im Keller zu vergessen.


Chardonnay

Die Rebsorte, die den Ruf der Regionen Burgund und Champagne mitbegründet hat, wird mittlerweile in der ganzen Welt kultiviert. Auch in der Schweiz findet man sie in allen wichtigen Weinbaugebieten (GE: 85 ha, VD: 35 ha, VS: 69 ha, Deutschschweiz: 45 ha, TI: 35 ha). Der Chardonnay gehört zu den früh reifenden Sorten; er reagiert empfindlich auf echten Mehltau und Graufäule. Seine kleinen, kompakten Traubenbeeren sind von dezenter Aromatik. Die aus Chardonnay produzierten Weine erkennt man an ihren feinen, fruchtigen Aromen und ihrer geschmeidig-samtigen Struktur im Gaumen. Chardonnaytrauben werden auch oft zu Schaumwein verarbeitet.


Charmont

Der Charmont ist eine Kreuzung aus Chasselas und Chardonnay, 1965 an der Eidgenössischen Forschungsstation von Changins geboren und nur selten angepflanzt (in der ganzen Schweiz sind weniger als 5 ha nachgewiesen). Der Charmont reift zur gleichen Zeit wie der Chasselas, ergibt aber weniger als dieser und auch nicht so regelmässig. In guten Lagen gewachsen, kann er sich dem Chardonnay annähern, ohne allerdings je dessen Eleganz zu erreichen.


Chasselas (Fendant)

Der Chasselas soll aus dem Orient stammen, doch wurde seine wirkliche Herkunft bisher wissenschaftlich nicht einwandfrei nachgewiesen. Trotz einem Rückgang der Flächen in den letzten Jahren bleibt er die am meisten kultivierte weisse Rebsorte (no1 = Pinot) der Schweiz (4595 ha im Jahr 2005 beziehungsweise 31% der gesamten Rebfläche). Im Waadtland ist er der unbestrittene König. Im Kanton Wallis kommen die aus Chasselas gekelterten Weine unter dem Namen Fendant auf den Markt. In Neuenburg wird ein Teil der Chasselas unfiltriert (als Non-Filtré) abgefüllt und ab dem dritten Mittwoch im Januar nach der Ernte kommerzialisiert. Der Chasselas reift früh, ist sehr produktiv und hat grosse Trauben, die mit zunehmender Reife eine schöne goldene Farbe annehmen. Jung getrunken, präsentieren sich die Weine mild, mit wenig Säure, süffig und von den charakteristischen Aromen ihres jeweiligen Herkunftsterroirs geprägt (zum Teil fein und floral, zum Teil mineralisch oder fruchtig). Der Chasselas wird gerne zum Aperitif getrunken, passt aber auch wunderbar zu Käsegerichten (Raclette, Fondue) oder zu Süsswasserfischen. Je nach Wein und Jahrgang lohntes sich, einige Flaschen im Keller liegen zu lassen. Dann hat man die Gelegenheit, ein völlig anderes Produkt zu entdecken, einen Wein von goldgelber Farbe mit Aromen von Bienenwachs, der auch den kundigsten Verkoster in die Irre führen wird!


Doral

1965 an der Eidgenössischen Forschungsanstalt von Changins gezüchtet, ist der Doral wie der Charmont eine Kreuzung zwischen Chasselas und Chardonnay. So wird er denn nur in der Schweiz kultiviert, in den Kantonen Waadt (5 ha) und Tessin (2,5 ha). Im Moment ist er Objekt einer systematischen Studie, die das Verhalten diverser Rebsorten auf den unterschiedlichsten Terroirs des Waadtlandes untersucht. Der Doral reift früh (noch vor dem Chasselas) und ergibt leicht aromatische, kräftige Weine, die durchaus gelagert werden können. Einige Produzenten haben den Doral mit Erfolg zu Süssweinen vinifiziert. Ebenso geeignet scheint er für die Produktion von Schaumwein zu sein.


Grauburgunder (Pinot gris)

Der Grauburgunder (französisch Pinot gris genannt) ist wie der Weissburgunder eine Mutation des Blauburgunders. Er ist in sämtlichen nordeuropäischen Weinregionen stark verbreitet (Elsass, Deutschland, Österreich, Norditalien), ebenso in der ganzen Schweiz (Deutschschweiz: 43 ha, Dreiseen: 33 ha, GE: 20 ha, VD: 28 ha, VS: 64 ha und TI: 2,5 ha). Die dünne Haut seiner Traubenbeeren macht den Grauburgunder zu einer Rebsorte, die höchst sensibel auf Graufäule reagiert, aber auch zum idealen Kandidaten für Überreife. In der Tat haben zahlreiche Produzenten ihrem Sortiment einen aus Grauburgunder (oder Malvoisie, wie er im Wallis heisst) gekelterten Süsswein hinzugefügt, dessen Trauben entweder natürlich am Stock oder nach der Lese auf Strohmatten beziehungsweise in Kistchen trocknen oder mittels Cryoextraktion (Tieffrieren der Beeren) konzentriert werden. Die so produzierten Weine sind komplex, gut strukturiert und geprägt von markanten Quitten- und Pfirsicharomen.


Heida (Païen)

Der Heida, im Unterwallis Païen genannt, ist im französischen Jura auch unter dem Namen Savagnin blanc bekannt. Er gehört zur selben Rebsortenfamilie wie der Gewürztraminer, besitzt aber nicht dessen aromatischen Eigenschaften. In der Schweiz wird er ausschliesslich im Wallis angebaut, ganz besonders in den Rebbergen von Visperterminen auf einer Höhe von 1100Metern. Unter diesen besonderen klimatischen Bedingungen dürfen die Winzer auf «höhere Unterstützung» zählen, nämlich auf den Föhn. Dieser heisse Südwind treibt die Trauben zur Reife. Die aus Heida gekelterten Weine besitzen viel Schmelz, sind komplex, mächtig und geprägt von Noten exotischer Früchte. In der Ebene reift er nach dem Chasselas, aber vor der Petite Arvine (Sorte der zweiten Epoche), seine Trauben sind klein und kompakt, die Beeren gelblich und leicht aromatisch. Man darf den Savagnin nicht verwechseln mit dem Salvagnin, der Waadtländer Bezeichnung für Assemblagen aus Pinot noir und Gamay!


Humagne blanche

Die Humagne blanche ist eine alte autochthone Walliser Sorte, die ausschliesslich in diesem Kanton auf 22 ha angebaut wird. Als Rebsorte der zweiten Epoche ist sie bekannt für unregelmässige Erträge. Die Trauben sind von mittlerer Grösse, die Beeren haben einen neutralen Geschmack. Die daraus gekelterten Weine sind reichhaltig und dank einer guten Säure sehr ausgewogen und alterungsfähig. Die Humagne blanche gilt als kräftigend. Deshalb wird sie traditionell «Hebammenwein» genannt und den jungen Müttern im Wochenbett zur Stärkung angeboten.


Johannisberg (Sylvaner, Rhin)

Johannisberg ist der Walliser Name für den Sylvaner, französisch auch Rhin genannt. Er soll von wilden Reben aus der Donauregion abstammen und wird heute in zahlreichen Weingegenden der Welt kultiviert. In der Schweiz ist er vor allem im Wallis vertreten (210 ha); sein Wahlterroir scheint er auf dem grossen Schuttkegel von Chamoson gefunden zu haben. Der Johannisberg ist anfällig auf Pilzkrankheiten (echter Mehltau, Graufäule) und reift etwa zehn Tage nach dem Chasselas. Seine Erträge sind sehr regelmässig, da er kaum zum Verrieseln neigt. Die aus Johannisberg produzierten Weine sind leicht aromatisch, fein und oft charakterisiert durch eine kleine Bitternot im Finale, was sie zu begehrten Begleitern zu Spargeln macht.


Marsanne blanche oder Ermitage

Die Marsanne stammt aus der Region von Montélimar (Frankreich), wo sie oft zusammen mit Roussanne angebaut wird. Diese produktive und spät reifende Sorte wird nur in den allerbesten Lagen des Wallis angebaut (auf 41 ha), wo man sie Ermitage nennt. Die aus ihr produzierten Weine sind reichhaltig, komplex und zeichnen sich durch ihre Aromen von kleinen roten Früchten, Unterholz oder Trüffel aus. Oft werden sie im Holz ausgebaut, trocken oder als Süsswein. Im zweiten Fall enthüllen sie ihr ganzes Potential.


Müller-Thurgau

Diese Rebsorte, die bis vor kurzem (fälschlicherweise) noch RieslingxSylvaner genannt wurde, entstand 1882 am deutschen Institut Geisenheim, gezüchtet von Professor Heinrich Müller aus dem Kanton Thurgau. Der Müller-Thurgau ist die weisse Hauptsorte der Deutschschweiz (485 ha). Der Müller-Thurgau ist sehr produktiv und anfällig auf Fäulnis. Er reift früh (vor dem Chasselas) und ergibt eher säurearme, süffige Weine, die man an ihrem Bouquet mit feiner Muskatnote erkennt.


Muscat (weiss)

Der Muscat soll aus dem Nahen Osten stammen, verbreitet ist er rund ums Mittelmeer. In der Schweiz findet man ihn hauptsächlich im Wallis, wo er auf 42 ha angebaut wird aber auch in Genf. Er reift spät und sogar innerhalb derselben Traubeinbeere unregelmässig. Er ergibt Weine von intensiver Aromatik, charakterisiert durch so genannte Muskatnoten.


Petite Arvine

Die Petite Arvine ist eine waschechte Walliserin und stammt aus der Region von Martigny. Sie wird ausschliesslich in diesem Kanton angebaut, und zwar auf 115 ha. Sie ist die stolze Botschafterin des Wallis. Die Petite Arvine stellt höchste Ansprüche an Klima und Lagen. Als Sorte der dritten Epoche pflanzt man sie deshalb nur an allerbesten Expositionen am rechten(sonnigen) Rhoneufer. Trocken vinifiziert ergibt die Petite Arvine Weine von grosser Klasse, mit feinen Aromen von Grapefruit, Glyzinien, Rhabarber und Honig, im Finale oft mit der für die Sorte typischen kleinen Salznote. Die Süssweine, gekeltert aus spät gelesenen Trauben, sind harmonisch und machtvoll – sie verdienen es, einige Jahre im Keller zu reifen, um auf ihrem Höhepunkt genossen zu werden.


Räuschling

Der Räuschling war früher in der ganzen Deutschschweiz verbreitet, wurde dann aber wegen seines höchst unregelmässigen Ertrags zunehmend aufgegeben. Mittlerweile wurde er rehabilitiert und bedeckt nun rund 22 ha, vor allem am Ufer des Zürichsees und im Limmattal. Er reagiert sensibel auf Botrytis und ergibt Weine mit einer schönen Säure und finessereichen Aromen. Der Räuschling ist ein perfekter Begleiter zu Süsswasserfischen.


Resi (Rèze)

Die Resi, französisch Rèze, ist eine alte, früher stark verbreitete Walliser Rebsorte, die dann aber zugunsten des produktiveren und vor allem regelmässigeren Chasselas aufgegeben wurde. Aus dieser Sorte wird im Val d’Anniviers in grossen Lärchenholzfässern nach wie vor der berühmte Gletscherwein produziert, und zwar im Solerasystem, das heisst mit oxydativem Ausbau. Im Moment werden genetische Forschungen unternommen, um festzustellen, ob die Resi allenfalls ein Abkömmling der zur Zeit des römischen Reichs berühmten Rebsorte Raetica sein könnte. Die Resi reift spät und ist sehr unregelmässig, ihre Trauben sind klein, kompakt und kurz vor der Lese von goldgelber Farbe. Ihre Rustikalität verleiht ihr eine gute Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge, die in unseren Rebbergen verbreitet sind. Die Weine sind in der Regel lebhaft und aromatisch eher neutral.


Sauvignon blanc

Die Herkunft dieser Rebsorte bleibt unsicher, die Regionen ihrer Wahl sind aber unter anderem Bordeaux und Sancerre. Mittlerweile hat sie längst den Status einer internationalen Rebsorte erlangt. In der Schweiz wird sie vor allem in Genf (29 ha) kultiviert. Die Trauben des Sauvignon sind klein, sehr kompakt und weisen oft typische Buchsbaumaromen auf, je nach Jahrgang und Terroir zum Nachteil der Finesse.


Weissburgunder (Pinot blanc)

Der Weissburgunder oder Pinot blanc ist eine alte weisse Mutation aus der Burgunderfamilie. Er ist in der ganzen Schweiz verbreitet (VD: 14,5 ha, GE: 41 ha, Deutschschweiz: 17,3 ha, VS: 24 ha, Dreiseen: 2,5 ha), wird aber momentan häufig ausgerissen und durch traditionsreichere Sorten wie etwa die Petite Arvine im Wallis ersetzt. Der Weissburgunder ist wie die anderen Sorten der Pinotfamilie sehr anfällig auf Graufäule. Seine Trauben sind klein und kompakt, die Traubenbeeren grünlich und von neutralem Geschmack. Die Weine zeichnen sich durch Lebhaftigkeit und subtile Zitronenaromen oder Noten von weissen Blüten aus. Der Weissburgunder wird auch in Assemblagen zur Produktion von Schaumwein verwendet.

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